9. März 2016 - Einlass und Beginn (9:00)


Block 1: Leitungsdaten finden und verwalten (9:10-10:20)


Bundesweites Informationssystem zur Leitungsrecherche - eine Lücke wird geschlossen

Jens Focke, BIL eG, Bonn

Mit dem Anspruch, künftig Rohrfernleitungen bei Tiefbauarbeiten besser zu schützen und einen transparenten und einen einheitlichen Service in der Leitungsauskunft anzubieten, wurde im Juni 2015 die BIL eG als Initiative von deutschen Leitungsnetzbetreibern aus den Bereichen Chemie, Gas und Öl gegründet. BIL steht für bundesweites Informationssystem zur Leitungsrecherche und hat das Ziel, erstmals in Deutschland eine umfassende branchenübergreifende und vor allem für Nutzer kostenfreie Online-Leitungsauskunft bereitzustellen. Zwar ist die Bauindustrie grundsätzlich verpflichtet, sich bei Baumaßnahmen vollumfänglich über die unterirdische Infrastruktur zu informieren, doch fehlt dazu bislang ein unabhängiges bundesweites Informationsportal, von dem derartige Leitungsauskünfte schnell, sicher und vor allem verbindlich zu beziehen wären. Diese Lücke schließt nun das BIL.


Digitale Methoden zur optimierten Nutzung von Bestandsdaten für das Betriebs- und Instandhaltungsmanagement

Björn Christoph Stein, PWT Wasser- und Abwassertechnik GmbH, Zwingenberg

Das Ziel, weitere Optimierungen im Anlagenlebenszyklus zu erreichen, erfordert den Einsatz neuer Methoden aber auch innovativer Technologien im Umgang mit Planungs- und Bestandsdaten. Die wenigsten Anlagen werden bzw. wurden einheitlich mit Planungssystemen eines Herstellers geplant. Zusätzlich werden wesentliche Daten in Betriebs- und Instandhaltungssystemen (ERP, CMMS, GIS), Leitsystemen oder Dokumentenmanagementsystemen gehalten. Die Konsolidierung mehrerer vorhandener Systeme in eine Datenbasis ist daher erforderlich. Sie muss auch bei Vorhandensein von mannigfaltigen Systemlandschaften ständig und workflowgestützt erfolgen, damit eine mobile Nutzung der digitalen Gesamtdaten, zum einen von den Ingenieuren bei Planung und Anlagenmodernisierungen oder Inbetriebnahme und zum anderen im Betreiberumfeld und Instandhaltung vom Anlagenpersonal, Sinn macht. Dabei ist die Herausforderung heute nicht allein alle Anlagendaten digital vorrätig zu haben, sondern die enorme Menge an Daten auch orts-, personen- und aufgabenabhängig nutzen und auf Stand halten zu können.

Hierbei spielt die „Augmented Reality (AR)“ zukünftig die entscheidende Rolle. So wird z.B. über ein Mobilgerät (Smartphone, Tablet, usw.) der Kontext zur aktuell im Sichtbereich befindlichen Anlage gebildet und eben nur mehr die dort für den Anwender notwendigen, konsolidierten Daten angeboten. Weiterführend kann der Anwender bei entsprechender Berechtigung über das Mobilgerät auch Daten eingeben, die dann über die Konsolidierungszwischenschicht wieder in die bestehenden Planungs- und Dokumentationssysteme zurückgespeist werden.


Kaffeepause (10:20-11:00)


Block 2: Schadenprävention und Rechtsstreit (11:00-12:10)


Sicherheit bei Tiefbauarbeiten in Leitungsnähe

Markus Grummich, DVGW Service & Consult GmbH, Bonn

Schäden an Versorgungs- und Telekommunikationsleitungen durch Baumaschinen oder durch manuelle Eingriffe im Rahmen von Tiefbauarbeiten können bei einzelnen Ereignissen, wie z.B. Gasexplosionen oder Stromschlägen, mit Gefahr für Leib und Leben verbunden sein. Die Beeinträchtigung der Versorgungssicherheit kann außerdem weitreichende Folgen haben. An Leitungsnetzen aller Sparten in Deutschland wird jährlich ein Gesamtschaden von fast 200 Mio. Euro registriert.
Es zeigt sich dabei, dass ein hoher Prozentsatz der Schäden an Leitungen einer Sparte von Auftragnehmern der jeweils anderen Sparten, oder sogar branchenfernen, verursacht werden.

Durch gezielte Aktivitäten will die Initiative BALSibau in der Branche informieren und eine Sensibilisierung für die Problematik erreichen. Dabei stehen der Schutz der Leitungsanlagen und der sich in deren Nähe aufhaltenden Personen sowie die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit durch Reduzierung der Leitungsschäden im Vordergrund. Ein spartenübergreifendes, praxisorientiertes Qualifizierungskonzept auf Basis des DVGW-Hinweises GW 129 bzw. des VDE/FNN-Hinweises S 129 „Sicherheit bei Bauarbeiten im Bereich von Versorgungsleitungen – Schulungsplan für Ausführende, Aufsichtsführende und Planer“ soll die Kenntnisse der Mitarbeiter von Unternehmen erweitern, die Bauarbeiten in Leitungsnähe durchführen.


Hilft der Einsatz von Ortungs- und Inspektionsverfahren bei Rechtsstreitigkeiten?

Dr. Michael Neupert, Rechtsanwälte Kümmerlein + Partner, Essen

Die Gerichte befassen sich immer häufiger mit Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit Problemstellungen erdverlegter Leitungen. Der vom Gericht beauftragte Sachverständige hat die Aufgabe, fachlich korrekt und objektiv den Sachstand dem Gericht bzw. dem Richter in verständlicher Weise darzustellen. Insbesondere bei unklaren Leitungsverläufen als Folge fehlender oder ungenauer Bestandspläne sowie bei vermuteten Leitungsschäden (z.B. Boden- und Grundwasserverschmutzungen nach Exfiltrationen aus Abwasserleitungen) ist der Einsatz effektiver und zuverlässiger Ortungs- bzw. Inspektionssysteme unbedingt zur „Wahrheitsfindung“ angezeigt.


Mittagspause (12:10-13:15)


Block 3: Verfahren zur Leitungsortung und Einmessung (13:15-16:15)


Der Gläserne Untergrund – Ein Überblick über die Ortungsverfahren

Dr. Andreas F. Kathage, Geohires International Ltd., Borken

Die geophysikalische Untersuchung des Bodens liefert dem Leitungsfachmann genau die Informationen, die für eine erfolgreiche und optimale Arbeit im Untergrund erforderlich ist. Der Untergrund wird für den Ingenieur sozusagen durchsichtig, er wird zum "Gläsernen Untergrund". Im Vortrag werden dich wichtigsten Methoden der Geophysik knapp und für den Ingenieur verständlich beschrieben. Dabei werden in Fallbeispielen die Anwendung der Methoden für Planung, Bau und Betrieb von Leitungen aufgezeigt

 

 


Leitungsortung und genaue Einmessung in einem Arbeitsgang

Siegfried Wanjek, S+H Systemtechnik GmbH, Wunstorf

Die Leitungsortung und Einmessung sind heute bei vielen Anwendern noch zwei getrennte Arbeitsschritte. Um diesen Prozess effizienter zu gestalten, wurde mit Hilfe von namhaften Herstellern von Ortungstechnik die S+H Locator Software entwickelt. Mit Hilfe der Software sind Leitungsortung und präzise Positionierung (50 cm, 10 cm oder 1-2 cm genau) in einem Arbeitsgang durchführbar. Der Mehrwert eines sehr genauen, aber auch von Fachanwendern zu bedienenden GPS/GNSS-Handheld-Systems wird dargestellt und technische/physikalische Grenzen aufgezeigt. Die Weiterverwendung und Ausgabe der aufgenommenen Koordinaten wird ebenfalls erläutert.


„XYZ is easy as ABC” – Das Mapping von Rohrleitungen und Kanälen im Untergrund

Tim Krüger, 8 SEAS consulting engineers for water and energy, Nackenheim

Es muss nicht eine Wasserfontäne sein, die plötzlich in der Innenstadt aufsteigt. Auch „harmlosere“ Schäden wie zerrissene Telefonleitungen kosten Ärger, Material und Zeit: Schlechte GIS-Daten und daraus resultierende falsche Planauskünfte sind teuer. Ungenaue bzw. unvollständige Angaben zur Existenz und Lage unterirdischer Infrastrukturen erweisen sich oft als unkalkulierbares Risiko bei Sanierungs- und Neubauprojekten.

As planned“ ist nicht gleich „as built“ – diese Erkenntnis ist nicht neu. Bei der Verlegung von Leitungen und Rohren oder Sanierungsarbeiten zählen nicht nur Fluss-, Bahn- oder Straßenquerungen zu den kritischen Punkten, die eingemessen werden müssen, die Position/Lage von Kabeln und Rohrleitungen muss stets mit hinreichender Genauigkeit bekannt sein. Insbesondere die mittlerweile häufig angewendeten HDD-Bohrungen erfordern eine exakte Dokumentation.

Neben dem Hoch- (X) und dem Rechtswert (Y) von Rohrleitungen und Kabeln im Untergrund, ist insbesondere die Tiefenlage (Z) eine wichtige Information für jedes Tiefbauunternehmen bevor zu einer Aufgrabung kommt, denn „unter der Baggerschaufel wird es dunkel“.

Moderne Messsysteme, basierend auf laseroptischen Kreiseln, ermöglichen heute die Erfassung der genauen Lage von Leerrohren, Rohrleitungen und Kanälen im Untergrund. Das Ergebnis, derartiger Messungen, ist ein exaktes 3D-Profil des Leitungsverlaufs, welches sofort in jedes GIS-System übernommen werden kann.

Leider existieren zurzeit in Deutschland keine gesetzlichen Vorgaben über die Anforderungen zur Genauigkeit der Einmessung von Leitungen. Bestrebungen wie die PAS 128 “Specification for underground utility detection, verification and location” finden über das EU-Recht hoffentlich demnächst auch in Deutschland ihre Anwendung.


Kaffeepause (14:45-15:15)


Akustische Ortung von Kunststoffleitungen

André Bischof, Hermann Sewerin GmbH, Gütersloh

Kunststoffrohre lassen sich mit der klassischen elektromagnetischen Methode nicht orten, weil sie elektrisch nicht leitfähig sind. Bei der akustischen Methode zur Rohrortung wird ein anderes Prinzip angewandt: Die Rohre übertragen mechanische Schwingungen besser als das umgebende Erdreich. Wenn auf das Rohr geeignete Schwingungen aufgebracht werden, breiten sie sich längs des Rohres aus und gelangen so an die Erdoberfläche. Dort können sie mit einem Bodenmikrofon wahrgenommen werden. Wie bei der akustischen Ortung von Wasserleckagen befindet sich die Rohrleitung dort, wo die größte Intensität festgestellt wird. Grundsätzlich können mit dieser Methode auch Faserzementleitungen und metallische Rohre geortet werden. Das System COMBIPHON® besteht aus der zentralen Steuereinheit Generator G5 und verschiedenen Impulsgebern und ist daher universell einsetzbar. Mithilfe von Stopper oder Klopfer werden Geräusche auf der Leitung erzeugt, die dann per AQUAPHON® A 200 akustisch geortet werden können.


RD 8100 PDL – Optimale Präzision zur Schadenvermeidung

 Herbert Eichmann, Radiodetection CE, Emmerich am Rhein

Mit der einzigartigen Anordnung von fünf präzisionsbearbeiteten Antennen ermöglicht Ihnen  das RD 8100 PDL System, die optimale Präzision für die jeweilige Ortungsaufgabe auszuwählen. Angesichts der zunehmenden Komplexität der Infrastruktur in Versorgungseinrichtungen benötigen Anwender leistungsstarke Ortungssysteme, um eine Differenzierung zwischen verschiedenen Versorgungsleitungen zu erreichen. Das Ortungssystem der Firma Radiodetection ermöglicht die Verfolgung von Versorgungsleitungen mit hoher Impedanz mit  4 kHz wie auch mit der 320/640 Hz Signalstromrichtungs-Ortungsfrequenz. Durch die Möglichkeit, eine Signalspannung von bis zu 90 V einzukoppeln, ist u.a. mit der Rahmenantenne als Zubehör, eine Spannungstrichtermessung auf bis zu 10 cm zielgenau möglich. Die Möglichkeit, zusätzlich fünf frei programmierbare Frequenzen einzustellen, die Ortungsmöglichkeiten von 100 Hz (KKS Signalen), sowie die Schutzart IP 65 zum Schutz vor Stößen, Wasser und Staub, runden das Ortungssystem RD 8100 PDL ab. Die simultane Anzeige von Tiefe und Signalstrom, wie auch der eingebaute Ortungsmodus Peak+, machen es dem Anwender leichter, den richtigen Leiter zu verfolgen.  


Ende der Veranstaltung (ca. 16:30)