Programm

Die Veranstaltung beginnt um 9:00 Uhr, Einlass ist ab 8:30 Uhr.

G 463 „Gasleitungen aus Stahlrohren mit einem Betriebsdruck von > 16 bar“ – aktuelle Entwicklungen

Lutz Reimann, Thyssengas GmbH, Duisburg

Das DVGW-Arbeitsblatt G 463 „Gashochdruckleitungen aus Stahlrohren für einen Auslegungsdruck von mehr als 16 bar - Errichtung“ ist mit Stand 07/2016 neu erschienen. Eine Anpassung war aufgrund der Regularien des DVGW sowie des Anpassungsbedarfs an die gelebte Praxis sowie Veränderungen in der Basisnorm DIN EN 1594 erforderlich. Insbesondere wurde eine Vielzahl von Maßnahmen, die die Sicherheit der Gastransportleitung sowie den Schutz von Mensch und Umwelt erhöhen, präzisiert bzw. zusätzlich festgelegt. Der Vortrag mit dem o.g. Titel geht auf die wesentlichen Änderungen und die beabsichtigten weitergehenden Anpassungen ein. Hierbei spielt eine wesentliche Rolle, dass gemäß der Geschäftsordnung des DVGW sicherheitstechnische Maßnahmen verbindlich vorgegeben werden müssen und in ihrer Wirksamkeit, Verfügbarkeit und Genauigkeit bewertet werden müssen. Dies soll u.a. anhand  von Beispielen dargestellt werden.

Anwendung des DVGW-Sicherheitskonzeptes bei OGE

Dr. Michael Steiner, Open Grid Europe GmbH, Essen

Gashochdruckleitungen, die nach dem sehr hohen Sicherheitsstandard der aktuellen DVGW-Regeln gebaut und betrieben werden, sind technisch sicher. Sie müssen aber nach wie vor gegenüber äußeren Einwirkungen wie etwa Bauarbeiten durch Dritte oder Bodenbewegungen geschützt werden. Dafür wird im DVGW-Regelwerk der Schwerpunkt auf die zwei sich ergänzende Mechanismen gelegt, nämlich die technische Sicherheitsausstattung sowie der Schutz der Leitung von außen. Während das revidierte DVGW-Arbeitsblatt G 463 „Gashochdruckleitungen aus Stahlrohren für einen Auslegungsdruck von mehr als 16 bar - Errichtung“ für den Neubau vorwiegend bauliche Sicherheitsmaßnahmen fordert, werden für den Betrieb von Gashochdruckleitungen im Gelbdruck des Arbeitsblattes G 466-1 „Gasleitungen aus Stahlrohren für einen Betriebsdruck von mehr als 16 bar – Betrieb und Instandhaltung“ hauptsächlich organisatorische Schutzmaßnahmen vorgegeben. Anhand von Beispielen wird die Umsetzung dieser sicherheitstechnischen Vorgaben bei Open Grid Europe vorgestellt.

Das neue Beschaffungskonzept der OGE – Optimierung und Überwachung der Lieferprozesse schafft Sicherheit beim Bau

Klaus Link, Open Grid Europe GmbH, Essen

Der klassische Zielkonflikt für erfolgreiche Projekte liegt im Wechselspiel der Anforderungen an Kosten, Termine und Qualität. Die Open Grid Europe steht mit der Umsetzung der Projekte des Anlagen- und Rohrleitungsbaus im Rahmen des Netzentwicklungsplans vor großen Herausforderungen:

  • Größtes Beschaffungsvolumen seit Bestehen der OGE
  • Ambitionierte Budgetziele erreichen
  • Herausforderung Mensch
  • Technische versus kaufmännische Anforderungen?
  • Projektübergreifende Steuerung der Beschaffung erforderlich
  • Zeitlich und inhaltlich nicht synchronisierte Bedarfsstrukturen
  • Begrenzte Kapazitäten auf der Lieferantenseite

Die Open Grid Europe hat diese Herausforderungen erfolgreich angenommen und hierfür ein neues Beschaffungskonzept auf Basis intensiver Zusammenarbeit von Einkauf und Technik sowie der Einführung unternehmensweiter Prozessstandards entwickelt.

Sicherheitstechnische Aspekte bei der Umwidmung von Rohrfernleitungen und bei Anpassungen an den Stand der Technik

Dr. Mayer, TÜV Rheinland AG, Köln

Viele Rohrfernleitungsanlagen in Deutschland wurden zwischen 1960 und 1980 nach dem damaligen Stand der Technik errichtet. Aktuell fallen diese Anlagen unter den Geltungsbereich der Rohrfernleitungsverordnung. Ihr Betrieb war bis zum 31.12.2010 an die Anforderungen dieser Verordnung anzupassen, während für die Beschaffenheit die vor dem Inkrafttreten der RohrFLtgV geltenden Vorschriften maßgebend bleiben. Durch die Behörde kann im Fall der Änderung von Anlagen oder ihres Betriebs oder zur Gefahrenabwehr die Anpassung der Beschaffenheit an die jeweils aktuellen Anforderungen angeordnet werden. Im Jahr 2013 wurde die Bunderegierung vom Bundesrat aufgefordert, für bestehende Anlagen die Möglichkeiten einer Nachrüstung an den Stand der Technik zu prüfen. Es liegt ein Entwurf des AfR zu einer Anpassung der RohrFLtgV vor, bei der ein regelmäßiger Abgleich zwischen Ist-Zustand und Stand der Technik gefordert wird. In diesem Beitrag wird anhand einiger Beispiele aus der Praxis dargestellt, welche Fragestellungen sich typischerweise ergeben, wenn auf eine Bestandsanlage die Anforderungen des aktuellen Stands der Technik angewendet werden. Dies betrifft insbesondere ehemalige Gashochdruckleitungen sowie Leitungen, die nach Änderungen des Fördermediums unter dir RohrFLtgV fallen. 

Hochspannungsbeeinflussungen auf Pipelines: Stand und zusätzliche Aspekte aufgrund des Netzentwicklungsplanes Strom

Dr. Andreas Frenzel, DNV GL - Energy, Dresden

Im Vortrag werden die wesentlichen Quellen von Hochspannungsbeeinflussungen (HSB) und ihre Beeinflussungsarten auf Pipelines kurz zusammengefasst. Auf die Besonderheiten und offenen Fragen bei sogenannten automatischen Wiedereinschaltungen (AWE) und dem Monitoring von Freileitungen, unter Berücksichtigung des neuen Beiblatts DVGW GW 22-B1, wird eingegangen.

Die Auslastungen der Elektroenergienetze hat sich den letzten Jahren erhöht und die Lastflussrichtungen können sich durch neue, verteilte Erzeugungsanlagen ändern, was zu neuen Beeinflussungssituationen führen kann. Zusätzlich können durch klimaorientierte Fahrweise von Freileitungen (Monitoring) die genehmigten, thermischen Grenzströme von Freileitungen überschritten werden, was ebenfalls erhöhte Beeinflussungen verursacht. Aufgrund des Netzentwicklungsplanes Strom werden in Deutschland zukünftig verstärkt Systeme für Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungen (HGÜ), erdverlegte gasisolierte Leitungen (GIL) sowie Höchstspannungskabel zum Einsatz kommen. Einige der möglichen Wirkungen dieser Anlagen auf Pipelines werden skizziert. Generell ist durch Raumordnungsentscheidungen mit Trassenbündelungen zu rechnen und damit mit größeren Problemen durch Hochspannungsbeeinflussungen auch auf Pipelines. Ideen zur Minimierung der Beeinflussung werden vorgestellt.

Die Inspektion molchbarer und nichtmolchbarer Leitungen: Wo liegt der Unterschied und worauf kommt es an?

Rosen Technology & Resarch Center GmbH, Lingen (Ems)

Die globale Pipeline Infrastruktur besteht derzeit aus ca. 4 Millionen Kilometer Hochdruck-Leitungen. Rund die Hälfte davon können mit den heute verfügbaren intelligenten Molchen inspiziert werden. Auch die verbleibenden Leitungen müssen geprüft werden. Der Vortrag behandelt die Unterschiede zwischen den molchbaren und den heute oftmals als nichtmolchbar bezeichneten Hochdruck-Pipelines und beschreibt die besonderen technischen und prozeduralen Aspekte der Inspektion. Auch das primäre Ziel für eine nichtmolchbare Leitung ist die Gewinnung von Inspektionsdaten für die Zustandsbewertung. Anhand von „Case-Studies“ werden insbesondere die Themen Datenqualität, Pipeline-Zugang (accessibility), Pipeline-Durchgang (negotiability) und der Molchvortrieb (propulsion) diskutiert.

Stand der Technik bei der Leckerkennung und Leckortung

Markus Scheidt, LANUV NRW, Recklinghausen

Vor dem Hintergrund etlicher in der näheren Vergangenheit aufgetretener Ereignisse wird die Frage erörtert, ob sich durch die existierenden Leckerkennungssysteme für Rohrleitungen Störfälle im Sinne der 12. BImSchV verhindern lassen. Dazu wird ein kurzer Überblick des aktuellen Entwicklungsstandes vermittelt. Im Anschluss erfolgt eine Diskussion darüber, welche Schlussfolgerungen sich aus den gefundenen Ergebnissen ergeben könnten.

Mobile Mapping - fehlerfreier Datenfluss von der Aufnahme vor Ort bis ins CAD/GIS-System

Siegfried Wanjek, AllTerra Deutschland GmbH, Wunstorf

Mit modernsten mobilen Datenerfassungs- und Vermessungssystemen können Bild- und Laserscanning-Daten in Kombination gleichzeitig erfasst und später ausgewertet werden. Solche Daten eignen sich aufgrund tagesaktueller Aufnahme, Geschwindigkeit und auch aufgrund hoher Präzision zur Dokumentation und Planung von Pipeline-Trassen. Im „scan2map“ Software-System können außerdem Luftbilder von Drohnen eingebunden und ausgewertet werden. Über das Publisher-Tool lassen sich die 360°-Bilder zusammen mit einer Koordinaten-Punktwolke sehr einfach und intuitiv webbasiert auf Standardrechnern nutzen und können somit einer Vielzahl von Mitarbeitern zur Verfügung gestellt werden. Durch Plugins für verschiedene GIS- oder CAD-Systeme kann der Nutzer in seiner gewohnten Arbeitsumgebung zusätzlich auf diese Mobile Mapping-Daten zugreifen und diese mit den  vorhandenen Informationen (Planungsdaten, GIS- oder CAD-Daten) überlagern.

Auswirkungen der TRFL-Änderungen auf den Betrieb von Rohrfernleitung

Stephan Taddiken, Nord-West Oelleitung GmbH, Wilhelmshaven
Vorstellung der gesetzlichen Grundlagen der Rohrfernleitungsverordnung, des Ausschusses für Rohrfernleitungen, der Technischen Regel für Rohrfernleitungsanlagen und den Änderungen der TRFL 2017 gegenüber der TRFL 2010 aus Sicht eines Fernleitungsbetreibers.

 

Krisenmanagement - im Schadensfall richtig handeln

RA Dr. Michael Neupert, Kümmerlein Rechtsanwälte & Notare, Essen

Krisenmanagement - im Schadensfall richtig handeln: Wenn es trotz aller Sicherheitsbemühungen zum Zwischenfall kommt, müssen in kürzester Zeit viele Aufgaben gleichzeitig erledigt werden, von Gefahrenabwehr über Information der Öffentlichkeit bis zur Zusammenarbeit mit den Behörden. In der Akutphase stehen juristische Überlegungen im Hintergrund, aber wenn die Ursachenforschung beginnt, sollten mögliche rechtliche Problemfelder frühzeitig eingeplant werden. Von der Frage, ob Mitarbeitern und Führungskräften ein individueller Schuldvorwurf gemacht werden könnte bis zu Auswirkungen auf den zukünftigen Betrieb - Unfalluntersuchungen nehmen eine zentrale Rolle ein. Dr. Michael Neupert gibt einen Überblick über typische Fehlerquellen.