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Tube 2014

Wer auf dem Weltmarkt der Drähte, Kabel und Rohre produziert, verarbeitet und handelt, der darf bei den alle zwei Jahre in Düsseldorf stattfindenden Weltleitmessen wire, Internationale Fachmesse Draht und Kabel, und Tube, Internationale Rohrfachmesse, nicht fehlen.

Tube 2014: Der Rohrmarkt – Trends und Perspektiven

Nach der Rezession im Jahr 2008 hat sich der Markt für Stahlrohre erholt, das Vorkrisenniveau wurde jedoch bisher nicht wieder erreicht. Das Jahr 2012 war aus Sicht der deutschen Stahlrohrindustrie von der konjunkturell bedingten Schwäche der EU-Märkte geprägt, die durch eine gestiegene Drittlandnachfrage, insbesondere aus den USA, nur teilweise ausgeglichen werden konnte. Das erklärt Frank Harms, bei der Wirtschaftsvereinigung Stahlrohre (WVS) zuständig für Markt und Technik. In der Produktion geht der Trend zu Gewichtsreduzierung, höheren Festigkeiten und kostengünstiger Fertigung.

 

Großprojekt Nord Stream

Mammut-Projekte wie der Bau der Nord Stream-Pipeline bescherten beispielsweise Europipe gute Geschäfte. Für den ersten fertiggestellten Strang der Ostseepipeline mit einer Länge von ca. 990 Kilometern lieferte Europipe 860.000 Tonnen Rohre. Auch für den zweiten Strang mit einer Länge von rund 850 Kilometern war das Unternehmen der Haupt-Rohrlieferant – 714.000 Tonnen Großrohre wurden hierfür hergestellt. Nord Stream verwendet Rohre aus Spezialstahl, die für die besonderen Anforderungen unter Wasser ausgelegt sind. Die Rohre wurden aus hochstabilem Stahl nach dem DNV-Unterwasserstandard OS-F 101 gefertigt. Die Wandstärke beträgt zwischen 27 und 41 Millimeter, je nach Druckhöhe. Die Innenwand der Rohre ist mit einer Beschichtung versehen, die die Reibung zwischen Gas und Rohrwand vermindert. Außen werden die zwölf Meter langen Rohrstücke mit einem Korrosionsschutz versehen und dann mit Beton beschichtet. Der Beton verleiht der Pipeline zusätzliches Gewicht und erhöht damit die Stabilität auf dem Meeresgrund.


Fracking stimuliert Stahlrohrnachfrage

Die weltweite Stahlrohrproduktion hat im Jahr 2012 nach einer Zunahme um sechs Prozent auf 150 Millionen Tonnen ein weiteres Allzeithoch erreicht. Wesentlich für den Anstieg war erneut der überproportionale Zuwachs der Produktion in China, wo die Stahlrohrproduktion um elf Prozent auf 74 Millionen Tonnen zulegte. Der Anteil Chinas an der Weltstahlrohrproduktion sei damit auf 49,5 Prozent gestiegen, erläutert Frank Harms, bei der Wirtschaftsvereinigung Stahlrohre (WVS). Die Stahlrohrproduktion im Rest der Welt nahm um 2,3 Prozent auf knapp 76 Millionen Tonnen zu. Die Herstellung in der EU27 sank dagegen trotz gestiegener Drittlandnachfrage von 14,1 auf 13,8 Millionen Tonnen: Ursache ist die konjunkturbedingte Nachfrageschwäche in Südeuropa. Auch die Produktion der deutschen Stahlrohrindustrie ging um drei Prozent auf 3,14 Millionen Tonnen zurück. Die weltweite Nachfrage nach Öl und Gas dürfte in den nächsten Jahren weiter zunehmen und die Nachfrage nach Stahlrohren erhöhen, prognostiziert Harms von der WVS. Die Intensivierung der Förderung sogenannter unkonventioneller Öl- und Gasvorkommen durch Fracking dürfte die Stahlrohrnachfrage besonders stimulieren. Auch der Infrastrukturausbau in den Schwellenländern, besonders in China, sollte weiter gehen und die Stahlrohrnachfrage weiter steigern. Aus Sicht der europäischen Hersteller werde das Jahr 2013 wegen der andauernden konjunkturellen Unsicherheiten verhalten eingeschätzt, so Harms. Die Finanz- und Staatsschuldenkrise in Europa und in den USA sollte durch staatliche Interventionen jedoch mittelfristig weniger belastend wirken. Erhöht sich die Zuversicht der Märkte im Laufe des Jahres, könnten lagerzyklische Effekte eine steigende Stahlrohrnachfrage zusätzlich begünstigen. Lager würden also wieder aufgestockt.


Kunststoffrohre drängen in weitere Branchen

Anders als der Stahlrohrmarkt, der etwa bei Öl- und Gaspipelines große Transportwege mit hohen Drücken oder Anlagen mit aggressiven Medien bedient, finden sich die meisten Abnehmer für Kunststoffrohre in der Bauwirtschaft und hier vor allem im Trinkwasser-, Gaszufuhr- und Hausabflussbereich. Die Kunststoffrohrindustrie will aber noch stärker in anderen Branchen Fuß fassen – zum Beispiel in Industrieanwendungen. Der Kunststoffrohrverband (KRV) geht davon aus, „dass mit der Weiterentwicklung der Kunststoffe durchaus innovative Kunststoffrohrsysteme den Weg für die Substitution von Stahlrohren in höheren Druckstufen und Nennweiten ebnen und den Markt erweitern.“

Potenzial bei den GFK-Wickelrohren

Beliebter werden Rohre aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) bei dem Bau und der Sanierung von Rohrleitungen. GFK-Wickelrohre fänden insbesondere dort Anwendung, „wo immer extreme hydraulische Erfordernisse außergewöhnliche Durchmesser erfordern“, erklärt Amitech Germany. Vorteile seien die „dauerhafte Beständigkeit gegen Korrosion und Abrasion.“


Wachstumsmärkte für Stahlrohre

Anders verhält es sich bei Stahlrohren: Zu deren Wachstumsmärkten gehören der Maschinenbau, die Öl- und Gasindustrie, Automotive, Medizintechnik sowie Luft- und Raumfahrt. Die Flugzeugbranche boomt im Zeitalter der Globalisierung: Die Flotten müssen weltweit modernisiert werden, damit die Fluggesellschaften ihre Betriebskosten senken können. Es gibt einen hohen Ersatzbedarf in der Flottenmodernisierung, um die Kosten zu senken. In Planung befindliche Pipeline-Großprojekte wie South Stream und Nabucco bedeuten bei ihrer Realisierung große Aufträge für die Rohrindustrie. Für die South Stream müssten Rohre auf einer Länge von 3.600 Kilometern verlegt werden – jährlich würden bis zu 63 Milliarden Kubikmeter Gas von Russland quer durch das Schwarze Meer nach Südeuropa gepumpt. Allerdings vermutlich frühestens ab 2015. Die Nabucco-Röhre, mit der die Gasabhängigkeit von Russland verringert würde, benötigt Leitungen für den Gastransport auf 3.300 Kilometern aus der Kaspischen Region nach Westeuropa. Die Realisierung ist allerdings nicht sicher.

Gigantische Märkte der BRICS-Länder

Große Hoffnungen setzt die Branche auf die dynamisch wachsenden BRICS-Länder Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Vor allem in China und Indien existieren gigantische Märkte. In Russland und China gibt es Bestrebungen, beispielsweise eine eigene Flugzeugindustrie aufzubauen. Traditionell besitzt auch die Öl- und Gasindustrie in Russland eine große Bedeutung.

Exportweltmeister China

Die BRICS-Staaten decken ihren enormen Bedarf aber nicht nur mit Importen. So exportiert China zunehmend selbst in großem Stil Stahlrohre. Dabei wandelt sich das Reich der Mitte immer mehr vom ehemals bedeutenden Stahlrohr-Importeur zum Selbstversorger, so die WVS. Ein ähnliches, wenn auch nicht so deutliches Bild zeigt sich bei den geschweißten Rohren bis 16“: Die chinesischen Produzenten besitzen hier eine Vormachtstellung, wenn auch weniger stark ausgeprägt als auf dem Nahtlosmarkt. Die größten Produzenten im Großrohrsektor (über 16“) bleiben China, Fernost und die GUS. Die indischen Hersteller werden auf diesem Markt aber immer wichtiger.

Spezialisierung und Qualität

Die Entwicklung dürfte manchen Rohrproduzenten im westlichen Markt nachdenklich stimmen. Wie können sie gegenüber asiatischen Herstellern bestehen? „Bei zunehmendem internationalem Wettbewerb ist eine Spezialisierung nötig“, sagt Harms von der WVS. Bessere Chancen besäße, wer höhere Materialgüten, engere Toleranzen und eine kostengünstige Fertigung biete. Ferner erwarten Abnehmer von Stahlrohren eine geringe Fehlertoleranz, gleichbleibende Qualität und Liefertreue. Zunehmend würde Wert auf ein besseres Kaltzähverhalten gelegt. Ein weiterer Trend geht zu reduzierten Wandstärken. Sie vermindern das Gewicht. Das ermöglicht zum Beispiel der Automobil- und Luftfahrtbranche, den Kraftstoffverbrauch zu senken. Parallel verringert sich der CO2-Ausstoß. Und: Bei batteriebetriebenen Fahrzeugen vergrößert sich durch eine Gewichtsreduzierung die Reichweite.

Trend zur Gewichtsreduzierung

Der anhaltende Trend zur Gewichtsreduzierung wird sozusagen zum Zünglein an der Waage. Um durch Materialersparnis Gewicht zu reduzieren, werden Rohre zum Teil nicht mehr klassisch als nahtlose oder geschweißte hergestellt, sondern als Tailoredblank, die anschließend gerundet und geschweißt werden. Unternehmen setzen auch auf den Ausbau von Niederlassungen in wichtigen Industrieländern. Vallourec & Mannesmann Tubes erweitert sein amerikanisches Werk Youngstown um eine Produktionsstätte. Hier werden Rohre im kleinen Abmessungsbereich vor allem für die Schiefergasförderung hergestellt. Zudem geht eine neue Fertigung im chinesischen Changzhou in Betrieb. Im brasilianischen Jeceaba beginnt ein neues Stahl- und Rohrwerk von Vallourec & Sumitomo Tubos do Brasil mit der Produktion.

Westliche Technologie

Doch selbst wenn China Rohre im großen Stil exportiert, liegt hier ein Absatzmarkt für europäische Maschinen- und Anlagenbauer. Denn um eine Vielfalt an Rohren fertigen zu können, vertrauen die chinesischen Hersteller auf westliche Technologie.

Neue Strategien

Netz- und Vertriebsstrukturen im Internet gewinnen für die Rohrbranche an Bedeutung. Neue Wege beschritt das Unternehmen 247TailorSteel.com. Mit dem Start von 247Tailorsteel.com in Holland begann das Internet-Zeitalter für Laserzuschnitte. Nach der internetbasierten Beschaffung von 2D-Flachzuschnitten im Markt werden seit Anfang 2011 mit dem 247Tubestore.com schon für zahlreiche Kunden auch Rohr- und Profilzuschnitte per Laser gefertigt.

Neue Anwendungen

Während Kunststoffrohre verstärkt in industrielle Anwendungen drängen, tun sich – neben den bewährten Märkten – auch für die Stahlrohrbranche neue Märkte auf. Explorations- und Bohrvorhaben – etwa in der Tiefsee – bleiben lukrativ. Daran ändert sich auch durch die Ölkatastrophe bei der Explosion der Plattform „Deep Horizon“ im April 2010 im Golf von Mexiko nichts. Neue Anwendungsfelder kommen aber für Stahlrohre hinzu. Dazu gehört die Förderung unkonventioneller Gase und die Abscheidung sowie Lagerung von CO2-Emissionen aus Kraftwerken, blickt die WVS in die Zukunft. Ferner gewännen die Erneuerbaren Energien an Bedeutung.

Sorgenkinder der Branche

Allerdings muss die Branche Unsicherheitsfaktoren berücksichtigen. Sorgen bereiten zum Beispiel die Entscheidungen der EU-Kommission bei der Klimapolitik. Diese würden mittelfristig, so die WVS, zu erheblichen Kostensteigerungen führen, „von denen außereuropäische Wettbewerber überwiegend verschont bleiben.“ Bedenken, die auch andere Industriezweige nachdenklich stimmen – trotz ansonsten guter Perspektiven.

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