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Chemparkbetreiber Currenta baut neuen Tunnel unterm Rhein

Zu wenig Platz im und erschwerte Instandhaltung des derzeitigen Versorgungstunnels zwischen den Chempark-Standorten Leverkusen und Dormagen sind die Gründe für den Neubau, den der Chemparkbetreiber am 30. Januar vorstellte.

Das Thema Versorgung mit Kohlenmonoxid (CO) über Pipelines ist ein sensibles. Das wissen Chemparkbetreiber Currenta und der Bayer-Konzern seit den andauernden Bürger-Protesten gegen eine solche 67 km lange Pipeline zwischen Dormagen und Krefeld. Deshalb setzten die beiden Unternehmen auf frühzeitige Information.

Am 30. Januar berichteten Chemparkleiter Dr. Ernst Grigat und Klaus Jaeger von Bayer MaterialScience (BMS) über einen neuen Versorgungstunnel unter dem Rhein, den Currenta bauen will. In diesem Jahr soll die Genehmigung beantragt werden. Die Bezirksregierung Köln hat CO-Pipeline-Gegnern dieser Tage Akteneinsicht zum bereits bestehenden Versorgungstunnel gewährt (RP berichtete). Auch deshalb geht Currenta in die Informations-Offensive.

Der derzeitige Mini-Tunnel, ein Düker genanntes Schutzrohr, das ein Bündel von zehn Rohrleitungen ummantelt, gehört zu einer Pipeline zwischen den Chempark-Standorten Leverkusen und Dormagen und stammt aus dem Jahr 1967. "Das ist die sicherste, ökologischste und kostengünstigste Möglichkeit, Gase und Flüssigkeiten in unserem Standortverbund zu transportieren", betonte Grigat. Unter anderem werden in neun Leitungen Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Erdgas und seit 2002 auch CO transportiert – etwa für BMS, sagte Jaeger. Die zehnte Leitung beherbergt Glasfaserkabel zur Datenübermittlung.

Der 60er-Jahre-Düker, Durchmesser 85 cm, ist mit den zehn Leitungen komplett gefüllt. Falls die Firma Repower ein Gas- und Dampfkraftwerk im Leverkusener Chempark baut – und davon geht Currenta weiterhin aus –, bräuchte das Unternehmen eine weitere Rohrleitung für Erdgas, weil Repower sich ans linksrheinische Erdgasnetz anschließen darf.

Und: Die hauptsächlich linksrheinisch verlaufende, 10 km lange Pipeline sei durch kathodischen Korrosionsschutz vor Rost gefeit. Im vergangenen Jahr hatte der TÜV, der die Anlage regelmäßig kontrolliert, empfohlen, den Korrosionsschutz für den gut 1 km langen Bereich des Dükers abzustellen, dafür sollte der Düker alle zwei Jahre, statt für gewöhnlich alle fünf bis zehn Jahre "gemolcht", werden. Molchung nennt man ein Kontrollverfahren, bei dem ein sogenannter Molch, ein rundes, mobiles Messlabor, durch die Rohrleitungen geschickt wird, um per Magnet- und Abtastverfahren Daten der Rohre zu erfassen, etwa die Wanddicke. "Unser nächster Molch wird auch noch mit Ultraschall ausgestattet sein", erläuterte Grigat.

Ohne Korrosionsschutz ergeben sich bei der Instandhaltung des Tunnels Schwierigkeiten. Beide Probleme – zu wenig Platz im Düker und erschwerte Instandhaltung – will Currenta durch den Düker-Neubau lösen, der rund 9 m unter der Rheinsohle und neben dem alten entlanglaufen soll. Den neuen, begehbaren Versorgungstunnel plant Currenta mit einem Durchmesser von 2,60 m. "Falls es mit der Rheinbrücke nichts wird, gibt es wenigstens einen Fußweg", scherzte Grigat.

Während beim Bau des alten Dükers Fragen wie Erdbebensicherheit (prüft Currenta derzeit) und Kampfmittelfreiheit nicht berücksichtigt wurden, soll beim neuen Tunnel darauf geachtet werden. Die für den Düker zuständigen Mitarbeiter sollen alle zwei Jahre eine Übung absolvieren. Gefahrenpläne liegen bei der Bezirksregierung Köln, für den Ernstfall ist die Berufsfeuerwehr Köln zuständig. Mit dem Baustart rechnet Currenta für Anfang 2015. Was der neue Mini-Tunnel kostet, sagte Ernst Grigat gestern nicht.

(Von Ludmilla Hauser)

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