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GFK-Rohrmodule DN 2000 im neuen Spree-(LURITEC-)Regenbecken verbaut

Ökonomisch sinnvoll und ökologisch nachhaltig – beim Osthafen von Berlin Friedrichshain-Kreuzberg treffen beide Eigenschaften zusammen. Nach achtmonatiger Bauzeit ist am Nordufer der Spree auf Höhe der Danneckerstraße ein Regenüberlaufbecken errichtet worden, das die Abwässer der Hauptstadt bei Starkregenereignissen speichert und anschließend wieder an die Kanalisation abgibt.

Das Besondere an „LURITEC“, wie die projektleitende LURI.watersystems.GmbH ihr System nennt: Das 470 m3 fassende Becken in Modulbauweise ist im Flusslauf integriert. Konventionelle Land-Anlagen sind in der Regel mit erheblichen Eingriffen im urbanen Umfeld und beim Vegetationsbestand verbunden und erfordern meist diverse Ausgleichsmaßnahmen. Das LURITEC-System dagegen ist hiervon unberührt und bietet zusätzlichen Mehrwert: Durch die im Fluss installierten Becken entstehen kleine Inseln, deren Oberflächen zu Erholungszwecken genutzt werden können. Die anfängliche Idee fand schnell Unterstützer. Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität (TU) Berlin suchte man nach geeigneten Materialien für die Umsetzung. Die Wahl fiel auf FLOWTITE GFK-Wickelrohre der AMITECH Germany GmbH. Ausschlaggebend waren deren Stabilität, die Fertigung als Endlosrohr sowie die Möglichkeit von Sonderkonstruktionen ohne Werkstoffwechsel. Nach ihrer Fertigstellung im Jahr 2012 ist die Anlage 2013 in eine zweijährige Testphase gestartet.

Bei starken Niederschlägen passiert es: Die Kanalisation kann die Wassermengen nicht auffangen; die Abwässer der Großstädte fließen in Flüsse und Seen. Mögliche Folgen sind die Gefährdung der Trinkwasservorräte, Fischsterben und Badeverbote. So auch in der deutschen Hauptstadt, zumindest bis jetzt. Denn wenn das Pilotprojekt der LURI.watersystems.GmbH erfolgreich verläuft, könnten dort auf längere Sicht im Wasser installierte Regenüberlaufbecken die Spree vor Verschmutzungen schützen. Zwei Jahre lang hat das LURITEC System Zeit, sich zu bewähren. In diesem Zeitraum wird das 470 m3 große Becken geschätzte 54 Mal überschüssiges Abwasser nach starken Niederschlägen speichern.

„LURITEC ist weltweit das erste modulare System, das in vorhandene Gewässer als Alternative zu landseitig aufwändigen Regenbecken eingesetzt werden kann. Dabei liegen die Vorteile gegenüber der herkömmlichen Lösung auf der Hand“, so der Geschäftsführer der LURI.watersystems.GmbH, Dipl.-Ing. Ralf Steeg. „Zum einen verkürzen sich die Planungszeiträume für die Anlagen um ca. 50 %. Auch die bauliche Umsetzung ist deutlich kürzer. Eingriffe in komplizierte kommunale Infrastrukturen entfallen fast gänzlich. Straßensperrungen während der Bauzeit sind ebenfalls deutlich seltener. Und das bei Kosteneinsparungen zwischen 10 bis 30 % im Vergleich zu konventionellen Becken derselben Größe. Nicht vergessen ist der Mehrwert, der durch die im Fluss installierten Becken entsteht: Deren Oberflächen können individuell genutzt werden. Hier im Osthafen sind Gärten und ein Solarbootsverleih geplant.“


Breite Unterstützung für Pilotprojekt

Bereits 2001 hatte Ralf Steeg zusammen mit seiner Kollegin Dipl.-Ing. Cathrin Berger eine Studie angefertigt, wie das Hauptverschmutzungsproblem der innerstädtischen Spree mit Hilfe von modularen Becken im Wasser gelöst werden könnte. Es folgten Untersuchungen unter Beteiligung der TU Berlin, des Kompetenzzentrums Wasser Berlin und der Berliner Wasserbetriebe. Letztere führten schließlich das Genehmigungsverfahren durch, da die forschende LURI.watersystems.GmbH nach dem Berliner Gesetz nicht befugt ist, im Stadtgebiet Regenbecken zu errichten. Gefördert wurde der 1,55 Mio. Euro teure Bau der Anlage vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie von der Stiftung Zukunft Berlin. „Eigentlich ist das Prinzip eines Regenbeckens einfach. Die Herausforderung liegt jedoch in der Umsetzung, konkret: in der Kombination der Bauteile, der Materialauswahl und der Reinigung der Anlagen“, erklärt Steeg.

Ausschlaggebend dafür, dass die Wahl nach eingehender Prüfung verschiedener Werkstoffe schließlich auf FLOWTITE GFK-Wickelrohre fiel, waren die hohe Fertigungspräzision, die schadlose Verformung von Kupplung und Rohr bei Belastung, die Verfügbarkeit als Endlosrohr sowie die Ausführung von Sonderkonstruktionen am Rohr durch Laminate und damit die Vermeidung von Werkstoffwechseln. Thomas Schulz, Gebietsleiter der AMITECH Germany GmbH, über weitere Vorteile der glasfaserverstärkten Kunststoffrohre: „Unsere GFK-Rohre mit derzeit erhältlichen Durchmessern von bis zu 4 m sind korrosionsbeständig und trotz der großen Durchmesser recht leichtgewichtig. Dies vereinfacht das Handling auf der Baustelle ungemein. Die Innenflächen sind sehr glatt und verhindern das Anhaften von Verunreinigungen. Durch die Beifügung von Glasfasern zum Kunststoff werden Riss- und Bruchbildungen vermieden. Ein weiterer wichtiger Werkstoff, der ebenfalls zur hohen Qualität unserer FLOWTITE-Produkte beiträgt, ist Quarzsand im Rohrmantelkern: Dieser erhöht die Rohrsteifigkeit und verhindert eine Eigenverformung, ohne die Elastizität zu verringern. All diese Eigenschaften machen das Rohr für den Bau von komplexen Modulen geeignet.“

Für die 48,5 m lange, 9,2 m breite und 4,3 m hohe Anlage im Osthafen Berlins kamen 12,19 m lange GFK-Rohre mit einer Nennweite von DN 2000 und einem Fassungsvermögen von jeweils 38,82 m3 zum Einsatz, die – eingebettet in einer Stahl-Fachwerkkonstruktion – zusammen eine modulare Einheit bilden. Die insgesamt 12 Einzelmodule wurden in einem Baukastensystem hinter- und nebeneinander zu Strängen installiert und verbunden. Schulz: „Das Stahlgerüst dient dazu, die Anlage, gebettet auf Pfählen, im Flusslauf der Spree zu befestigen, um – je nach Befüllung – einen Auf- oder Abtrieb des Speichers zu vermeiden. Das Gerüst dient außerdem als Grundkonstruktion und Lastaufnahme für mögliche, spätere Aufbauten.“ Bei der Montage der Einzelmodule wurden zunächst am Ufer drei jeweils 50 m lange Stränge verbunden und diese dann mit einem 700-t-Kran in die Spree gehoben.

Mit der Kanalisation verbunden

Ralf Steeg beschreibt, wie die Pilotanlage seit der Installation funktioniert: „LURITEC ist über ein DN 800-Zuleitungsrohr mit der städtischen Kanalisation verbunden. Ab einer Menge von 17,1 mm Niederschlag pro Stunde spricht man von Starkregen und bei einem solchen Wolkenbruch füllt sich die Anlage. Wenn der Pegel in der Kanalisation wieder sinkt, wird das System leer gepumpt. Das erfolgt ebenso vollautomatisch wie die anschließende Reinigung, bei der Spülklappen mit hydraulischer Steuerung geöffnet werden. Entstandene Gerüche werden mit Hilfe einer Abluftreinigungsanlage gefiltert.“ Die Erwartungen sind groß und mit entsprechend hoher Aufmerksamkeit wird das Projekt deshalb auch in der Fachwelt beobachtet.

Bei der generellen Planung des Systems bewiesen die Verantwortlichen übrigens Weitsicht: Die individuell kombinierbaren Einzelmodule wurden so konzipiert, dass sie mit ihren Außenmaßen jeweils in einen 40-Fuß-Überseecontainer passen – ein kostengünstiger Transport ist somit möglich. Denn schließlich, so Steeg, handele es sich um ein „weltweit übertragbares System“, mit dem auch andere Großstädte ihre Flüsse und Seen wirtschaftlich und nachhaltig schützen könnten.

Kontakt:

www.amitech-germany.de


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