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Gassled investiert in Gas-Terminal in Emden

Norwegisches Gas strömt seit Jahrzehnten durch Pipelines nach Deutschland. Das norwegische Konsortium Gassled will jetzt sein altes Gas-Terminal in Emden mit Millionenaufwand wieder fit machen.

Seit 35 Jahren pflegen Ostfriesland und Norwegen eine kostbare Verbindung: Durch die 440 km lange Pipeline Norpipe strömt seit 1977 Nordseegas aus dem Königreich nach Emden. Dort wird es aufbereitet und im Netz verteilt. Die Industrieanlage ist jedoch inzwischen veraltet. Mit Investitionen von mehr als 600 Millionen Euro will das norwegische Firmenkonsortium Gassled daher bis 2016 ein neues Gas-Terminal an der Emsmündung bauen. „Wir haben die Gasvorräte, Deutschland hat den Bedarf“, unterstrich der Präsident des Gaslieferanten Gassco, Brian Bjordal, kürzlich bei einem Besuch auf der künftigen Baustelle in Emden.

Der Gas-Manager sieht Ostfriesland wegen seiner geografischen Lage als Knotenpunkt und Energiedrehscheibe für den europäischen Markt, sagte Bjordal der Deutschen Presse-Agentur. Ein Vorteil seien auch die großen unterirdischen Gasspeicher in den nordwestdeutschen Salzstöcken. Gaslieferungen müssten zuverlässig und unabhängig von politischen Windrichtungen fließen - rund um die Uhr und in großen Mengen. Das norwegische Staatsunternehmen Gassco betreibt neben dem Norsea Gas Terminal (NGT) in Emden auch die beiden Erdgas-Leitungen Europipe 1 und 2 im ostfriesischen Dornum.

Gerade mit Blick auf den Atomausstieg, die Energiewende und den Mix der erneuerbaren Energien könnte Gas eine wichtige Rolle spielen. Noch immer ist keine wirtschaftliche Speicherlösung für schwankenden Wind- und Solarstrom auf dem Markt. Für regenerativ erzeugten Strom, der derzeit noch weit entfernt von einer Grundlastversorgung ist, muss also eine vergleichbare Menge aus konventionellen Kraftwerken bereit stehen. Dazu würden sich moderne Gaskraftwerke anbieten, die je nach Strombedarf schnell hoch und wieder herunter gefahren werden können.

Doch die Wirklichkeit sieht anders aus: Weil Ökostrom Vorrang bei der Einspeisung ins Netz hat, lassen sich Gaskraftwerke kaum noch wirtschaftlich betreiben. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) mahnte daher kürzlich spezielle Rahmenbedingungen an. Damit sollten modernste Gaskraftwerke wie in Irsching bei Ingolstadt als Netzreserve rentabel betrieben werden können. Auch in Emden fuhr der staatliche norwegische Energieversorger Statkraft 2012 sein Gaskraftwerk in Reservestellung und legte zudem Pläne für ein neues Kraftwerk auf Eis.

Auf der anderen Emsseite dagegen, im niederländischen Eemshaven, wachsen die Bauten für ein neues Kohlekraftwerk von RWE in die Höhe. Die umstrittene Anlage ist noch nicht endgültig genehmigt, gegen den Betrieb laufen Klagen aus Ostfriesland vor dem höchsten niederländischen Gericht. Die Tourismusregion mit ihren Inseln, Bürgerinitiativen und Verbände wollen eine neue „Dreckschleuder“ an der Küste verhindern.

Auch wenn Gaskraftwerke eines Tages nicht mehr als Übergang oder Reserve gefragt sein könnten - norwegisches Gas soll jedenfalls auch weiterhin in rauen Mengen nach Ostfriesland strömen und über Jahrzehnte für Wärme sorgen. Das Engagement ziele nicht auf ein schnelles Geschäft, sagte Gassco-Manager Bjordal. „Wir blicken langfristig in die Zukunft.“

Norwegische Gas wärmt Millionen Verbraucher

Im ostfriesischen Emden endet die 440 km lange Pipeline Norpipe aus dem norwegischen Ekofisk-Gasfeld. In dem 1977 errichteten Norsea Gas Terminal an der Emsmündung wird das Gas gereinigt, erwärmt und an Verteilknoten ins europäische Netz weitergeleitet. Strengste Sicherheitsauflagen sollen verhindern, dass es bei Leckagen zu Explosionen kommt.

Im Herbst sollen die Bauarbeiten für ein Nachfolge-Terminal beginnen. Das norwegische Firmenkonsortium Gassled investiert dafür rund 600 Millionen Euro. Generalunternehmer wird die Linde Engineering (Dresden). Zeitweilig werden bis zu 500 Arbeiter auf der Baustelle im Einsatz sein. 2016 soll die neue Anlage in Betrieb gehen.

Die norwegische Gassco betreibt neben Emden auch die Gas-Empfangsanlage für die Europipe im ostfriesischen Dornum. Durch beide Anlagen strömen täglich bis zu 140 Millionen Kubikmeter Erdgas aus der Nordsee. Das entspricht fast 30 % des deutschen Erdgasverbrauchs oder ungefähr dem Jahresverbrauch einer Stadt wie Oldenburg in Niedersachsen mit rund 160.000 Einwohnern.

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