3R

300 Jahre alte Gussrohre im UNESCO-Welterbe

Am 16. Juni 2013 ging die Meldung durch die Medien, dass der Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel mit der Herkules-Statue und den Wasserspielen durch die Jury der UNESCO ins Weltkulturerbe aufgenommen wurde.

Einbezogen in diese Würdigung sind das „Riesenschloss“ (Oktogon, Baubeginn 1701) mit der 8 m hohen Statue des Herkules (1717 vollendet) und der Wasserkaskade (erstmals präsentiert am 3. Juni 1714) und der englische Landschaftsgarten mit den Wasserspielen (im Wesentlichen nach 1785 durch Kurfürst Wilhelm I von Hessen-Kassel angelegt).

Keine Kaskade, keine Wasserspiele ohne Zuleitung und ohne Rohrleitungen! Im März 2010 erreichte die Frontinus-Gesellschaft eine Anfrage des Museums Kassel mit der Bitte um eine Untersuchung der Rohrleitungen – eine Bitte, der Frontins-Vorstands- und -Beiratsmitglied Prof. Dr.-Ing. habil. Harald Roscher gerne nachgekommen ist. Wer Veröffentlichungen und Vorträge Roschers gelesen und gehört hat, kennt ihn als ausgewiesenen Fachmann der Geschichte historischer Rohre und Rohrleitungen; dieses Fachwissen kam ihm zugute. Anhand der Ortbesichtigung kam er zu dem – auch aus der Literatur gut belegten – Ergebnis:

„Die im Oktogon befindlichen Rohre stammen mit großer Sicherheit aus der Entstehungszeit des Bauwerkes. Es handelt sich um Muffenrohre von ca. 2 m Baulänge.


Der Verfasser konnte nach Recherchen folgende Angaben dazu finden:

eine Veröffentlichung aus dem Jahre 1952 in der Zeitschrift GWF:

  • Das Gußrohr – Kurze geschichtliche Entwicklung. 144 (GWF) 1952, Heft 10,S. 295 – 297

sowie eine weiterführende besonders wichtige Veröffentlichung von 1935:

  • Gußeiserne Rohre “Einst – Jetzt”. Deutscher Gussrohrverband 1935.

Nach Auffassung des Verfassers sind die heute noch liegenden Rohre ca. 300 Jahre alt.“


Vom Deutschen Nationalkomitee des ICOMOS Internationaler Rat für Denkmalpflege (Berater und Gutachter der Arbeit des Welterbe-Komitees), war zu erfahren, dass die Authentizität der Technik ein wichtiges Kriterium für die positive Empfehlung war. Wie die Bilder zeigen, leisten die Gussrohre vom Beginn des 18. Jahrhunderts weiterhin zuverlässig ihre Arbeit. Die sichtbare Längsnaht weist nach Roscher darauf hin, dass diese Rohre liegend gegossen wurden; ab 1880 wurden stehende Holzformen verwendet und von 1923 datiert das erste Schleudergussrohr.


Verwandte Themen
Armaturenwechsler im Kleinformat weiter
Aufruf zur Stellungnahme: Entwurf DWA-Merkblatt M 808 weiter
Überarbeitung: DWA-Merkblatt M 181 weiter
Entwurf: DWA-M 143-09 weiter
Neuerscheinung: DWA-A 143-07 weiter
Zurückziehung: GW 303-2 weiter

Relevante Publikationen für Sie:

Zustandsbewertung von metallischen Rohrleitungen der Gas- und Wasserversorgung Cover

Zustandsbewertung von metallischen Rohrleitungen der Gas- und Wasserversorgung

Die DVGW-Merkblätter GW 18 und GW 19 im Kontext der aktuellen Regelwerke zur Instandhaltung
Hans-Jürgen Kocks / Hans Gaugler

mehr
Zustand der Kanalisation in Deutschland – Ergebnisse der DWA-Umfrage 2015 Cover

Zustand der Kanalisation in Deutschland – Ergebnisse der DWA-Umfrage 2015


Christian Berger / Christian Falk / Friedrich Hetzel / Johannes Pinnekamp / Silke Roder / Jan Ruppelt

mehr
Zulassungsverfahren für Errichtung und Betrieb von Rohrfernleitungen Teil 1: Gasversorgungsleitungen im Sinne des EnWG Cover

Zulassungsverfahren für Errichtung und Betrieb von Rohrfernleitungen Teil 1: Gasversorgungsleitungen im Sinne des EnWG


Bettina Keienburg, Michael Neupert

mehr