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Schmutzige Ölspur durch Russland

Millionen Barrel Öl sickern jedes Jahr fast unbemerkt in Russlands Böden. Greenpeace-Chef Ivan Blokov fordert härtere Strafen für die Verantwortlichen.

Unfassbar sind die Zahlen, die der russische Greenpeace-Direktor Ivan Blokov der Ölindustrie vorhält: Vor allem durch Pipeline-Lecks ereigneten sich jedes Jahr etwa 15.000 Ölunfälle in Russland, schätzt er im Gespräch mit dem Deutschlandfunk am 20. August. Das sind mehr als 40 Katastrophen täglich.

„Im europäischen Teil Russlands werden die Lecks schnell repariert und die Schäden schnell behoben“, sagt Blokov. Das Problem liege in den Weiten des Landes: Dort sei es für Unternehmen ein Leichtes, leckende Pipelines zu verheimlichen. Umweltkatastrophen blieben daher in den wenig besiedelten Gebieten im Norden und Osten oftmals lange Zeit unentdeckt. Und selbst bei bekannten Unfällen könnten die Behörden meist nicht wirklich beurteilen, wie gravierend die Folgen sind. Die entlegenen Unfallorte aufzusuchen, sei in vielen Fällen zu teuer.

Die unentdeckte Verschmutzung ist verheerend, berichtet die russische Greenpeace-Ölexpertin Zhenya Belyakova: „Tausende Hektar Wald werden langsam durch Kontamination und Brände dahingerafft, in Wasserbecken glänzt der Ölschlick. Überall liegen Kadaver von kleinen Tieren und Vögeln.“ Manche dieser Katastrophen erstreckten sich kilometerweit und hielten Jahre lang an. „Sie entstehen an leckenden Rohren und werden immer größer“, sagt Belyakova.

„Fast alle Lecks in Russland passieren, weil die Röhren alt sind“, erklärt Greenpeace-Chef Blokov. Normalerweise sollten Unternehmen Pipelines höchstens 20 Jahre lang nutzen, bei russischen Pipelines liege der Schnitt bei 32 bis 34 Jahren.

Greenpeace Russland fordert, Aktionären so lange keine Rendite auszuzahlen, wie ihre tropfenden Pipelines die Umwelt verschmutzen. Denn damit verstießen die Unternehmen gegen das Gesetz. „Das würde sehr schnell wirken“, meint Blokov. Weil die verheimlichten Lecks den größten Schaden anrichten, fordert er außerdem, bestehende Gesetze zu ändern. „Wer Unfälle verheimlicht, muss hart bestraft werden“, sagt er. „Nicht für den Unfall, denn Unfälle passieren – sondern für das Vertuschen.“

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