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„Hausanschluss“ für das Biomassekraftwerk Wiesbaden

Bernd Seis ist Oberbauleiter des Bingener Unternehmens Sonntag, das seit den 1980er Jahren auf „Rohrvortrieb“ spezialisiert ist, eine spezielle Bauweise, um Abwasser- beziehungsweise Versorgungskanäle unterirdisch und zielgenau zu verlegen.

„Vor der Hacke ist es dunkel.“ „Ortsbrust, Bodenansprache, Wasserlinsen...“: Die Fachbegriffe, derer sich Bend Seis bedient, sind ebenso außergewöhnlich wie seine beruflichen Aufgaben, denen er derzeit acht Meter unter der A 66, Abfahrt Mainzer Straße, nachgeht. Seis ist Oberbauleiter des Bingener Unternehmens Sonntag, das seit den 80er Jahren auf „Rohrvortrieb“ spezialisiert ist, eine spezielle Bauweise, um Abwasser- beziehungsweise Versorgungskanäle unterirdisch und zielgenau zu verlegen.

Momentan zeichnet Seis für den rund 400 Meter langen Tunnel verantwortlich, den die ESWE-Versorgung als „Hausanschluss“ an das neue Biomassekraftwerk auf der Deponie benötigt. Für einen derartigen Auftrag gilt es grundsätzlich vorab die Geologie zu erkunden, denn die Technik wird der Bodenbeschaffenheit beziehungsweise „Bodenansprache“ gemäß ausgewählt. Ist diese erst einmal mit Erstellen der Startgrube installiert, kann sie aufgrund des enormen Aufwandes nicht mehr ausgewechselt werden. Kommt Grundwasser mit ins Spiel, setzt man beispielsweise das „Vollschnittverfahren“ ein, das vollautomatisch, also ohne Einsatz von Menschen, erfolgt. Unter der A66 allerdings, jener großen Baustelle an der Abfahrt Mainzer Straße, bedient derzeit Fachpersonal den riesigen Fräskopf, während die abgetragene Erde in Kübeln in die Startgrube geleitet und von dort ans Tageslicht befördert wird.

Der 48-Jährige, der das alles an Ort und Stelle erklärt, ist schon seit seiner Bauzeichnerlehre bei der Firma Sonntag tätig, bei der er nach der Bundeswehr als Assistent der Bauleitung weiterarbeitete, parallel zu einem Fernstudium zum staatlich geprüften Bautechniker mit Fachrichtung „Tief- und Ingenieurbau“. Zu Beginn der Spezialisierung auf den Rohrvortrieb startete das Unternehmen mit vergleichsweise kleinen Kanälen von 30 Zentimetern Durchmesser; heute stellen diesbezüglich auch 360 Meter kein Problem mehr dar. „Aber damals mussten die Arbeiten schon stoppen, wenn man nur auf einen faustgroßen Stein stieß. Mittlerweile fahren wir durch Granit und Fels, und es gibt kein Halten mehr.“

Die Art, wie der Oberbauleiter das sagt, zeugt von großer Freude über die Fortschritte auf seinem Spezialgebiet, aber auch von großem Stolz auf seine persönlichen Aufgaben. Allerdings müssten er und sein Team schon des Öfteren einiges aus dem Weg räumen, was nicht eingeplant sei.

Beim Rohrvortrieb gibt es eben viele Unwägbarkeiten: Zum Beispiel „Wasserlinsen“, also Wassereintritt, fließende Bodenarten wie feinster Sand in Verbindung mit Wasser, Felsformationen oder auch nicht tragfähiger Boden, also beispielsweise Torf. Kontaminationen, etwa Chemikalien oder Diesel, können ebenso für eine Störung der Arbeitsabläufe sorgen wie unnatürliche Hindernisse in Form von Stahlträgern. Wie umfassend die Kontrollmaßnahmen bei diesen Arbeiten sein müssen, zeigt sich gerade unter einer Autobahn, bei der Einstürze und Risse weitreichende Folgen hätten. Also müssen in dem entsprechenden Bereich ständig kontinuierlich Höhenkontrolle erfolgen. Aber auch diesbezüglich hat Seis weitreichende Erfahrungen: allein zehn Kilometer Rohrvortrieb unter der Startbahn West.

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