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Trauer um Joachim Brandenburger

Am 7. März starb Joachim Brandenburger im Alter von 83 Jahren in Garmisch-Partenkirchen an den Folgen eines Schlaganfalles. Brandenburger gilt als Pionier und Visionär in der Kunststofftechnik und hat die Entwicklung des lichthärtenden GFK-Schlauchlinings in der Kanalsanierung entscheidend geprägt.


Die Nähe zum Kunststoff wurde Joachim Brandenburger schon in die Wiege gelegt, denn sein Vater Kurt beschäftigte sich bereits seit 1920 mit großem persönlichen Einsatz mit diesem Fachbereich und erwarb sich den Ruf eines der führenden Experten der Kunststoffverarbeitung weltweit. Dieses Engagement führte Joachim fort. Nach dem Studium des Chemieingenieurwesens und nach der Flucht der Familie aus dem Osten Deutschlands in den Westen gründete Joachim Brandenburger, parallel zum väterlichen Betrieb, der sich mit der Herstellung technischer Kunststoffe mit dem Schwerpunkt Wärmeschutzplatten beschäftigte, ein eigenes Spezialmaschinenbauunternehmen zur Herstellung von Hochfrequenz-Schweiß- und Verpackungsmaschinen. 1954 meldete Joachim Brandenburger im Alter von 25 Jahren sein erstes Patent an. Heute sind es beachtliche 39 Patente. 1960 entwickelte er die ersten Heißsiegelmaschinen für Blisterverpackungen. Diese Technologie ist bis heute Stand der Technik und wird bei vielen Verpackungen, insbesondere in der Elektronik- und Spielzeugbranche, eingesetzt. Nach dem Tod des Firmengründers Kurt Brandenburger übernahm Joachim mit dem väterlichen Unternehmen auch das Wärmeschutzplattengeschäft. 1971 erfolgte der Umzug in den neuerbauten Betrieb in Landau in der Pfalz, dem heutigen Firmenstandort des Unternehmens.

Im Jahr 1990 wurde auf Bitte und im Auftrag der BASF der erste mit einer Längsnaht versehene Glasfaserschlauch bei Brandenburger mit einem lichthärtenden Kunstharz getränkt. Dies war für Joachim Brandenburger und das Unternehmen der Start in das Geschäftsfeld der Kanalsanierung und der Einstieg in die Schlauchlinertechnologie. Da Joachim Brandenburger von der Technik des genähten Schlauches nicht überzeugt war, entwickelte er innerhalb von ca. 3 Jahren erst einen überlappend gefalteten Glasfaserliner und daraufhin das bis heute patentierte Wickelverfahren für nahtlose Liner zur grabenlosen Kanalsanierung. Der Brandenburger Liner revolutionierte in kürzester Zeit den Markt für grabenlose Kanalsanierung und erreichte eine Spitzenstellung in Deutschland. Auch international erregte das neuartige Verfahren hohe Aufmerksamkeit. Der Erfolg dieser Technologie führte 1996 zur Gründung eines eigenen Produktions- und Vertriebsunternehmens „Brandenburger Liner GmbH & Co. KG“ am Standort in Landau in der Pfalz. 1997 erweiterte Brandenburger mit Gründung der UV Reline.tec GmbH & Co. KG die Aktivitäten auf die Entwicklung und Herstellung von innovativen, weltweit patentierten UVA-Lichthärtungsanlagen und -Equipment und etablierte sich als Systemanbieter in Sachen Kanalsanierung.

Joachim Brandenburger war Zeit seines Lebens Forscher und Entwickler mit Leib und Seele. Das Labor war sein liebster Arbeitsplatz. Betriebswirtschaftliche und vertriebsbezogene Angelegenheiten überließ er gerne anderen. Das Unternehmen führte er mit starker Persönlichkeit, zielorientiert und mit straffer Hand. So viel Energie und Kraft er in seine Arbeit steckte, so zurückhaltend war er, was sein öffentliches Auftreten und seine persönliche Außendarstellung betraf. Wenn es darum ging, Unternehmen und Produkte bei entsprechenden Anlässen zu präsentieren, hielt er sich zumeist im Hintergrund. Viele, die die Kanalsanierungsbranche über die Jahre begleitet haben, haben deshalb denjenigen, der die Entwicklung des lichthärtenden GFK-Schlauchlinings in entscheidendem Maße mitgeprägt hat, nie persönlich kennengelernt.

Im Jahr 2007 zog sich Joachim Brandenburger zunehmend aus dem operativen Geschäft des Unternehmens zurück. Gesundheitliche Probleme schränkten seine Leistungsfähigkeit ein. Die letzten Jahre lebte er zurückgezogen in Garmisch Partenkirchen, wo er nach einem insgesamt erfüllten Leben voller Schaffenskraft am 7. März dieses Jahres verstarb.

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