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Spekulation über Ausstieg der EnBW bei MVV

Die EnBW sucht offenbar nach einem Käufer für ihre Beteiligung am Mannheimer Energieversorger MVV. Die EnBW war im Jahr 2004 beim größten börsennotierten Kommunalversorger Deutschlands eingestiegen und hatte dazu den Anteil von Ruhrgas übernommen.

Die EnBW sucht laut stuttgarter-zeitung.de offenbar nach einem Käufer für ihre Beteiligung am Mannheimer Energieversorger MVV. Die 15,1 % wären, gemessen am aktuellen Börsenkurs, rund 250 Millionen Euro wert. Bei der EnBW wollte niemand entsprechende Medienberichte bestätigen. „Wir kommentieren Marktgerüchte grundsätzlich nicht“, sagte ein Konzernsprecher. Auch die MVV wollte zu den Berichten keine Stellung nehmen. Es gab aber auch von keinem der beiden Unternehmen ein ausdrückliches Dementi. Nach Informationen des „Handelsblatts“ hat die EnBW die Commerzbank mit dem Verkauf beauftragt.

Die EnBW war im Jahr 2004 beim größten börsennotierten Kommunalversorger Deutschlands eingestiegen und hatte dazu den Anteil von Ruhrgas übernommen. Das Geschäft wurde seinerzeit als Gegenleistung dafür gewertet, dass die EnBW auf eine Klage gegen die Übernahme von Ruhrgas durch Eon verzichtete. Manche Beobachter sahen in dem Einstieg der EnBW bei MVV einen ersten Schritt zur Übernahme des Mannheimer Versorgers durch die EnBW. Es blieb aber bei der Minderheitsbeteiligung.

EnBW ist noch nicht mal im MVV-Aufsichtsrat

„Als reine Finanzbeteiligung bringt der MVV-Anteil der EnBW nicht viel“, meint ein Branchenexperte. Deshalb sei ein Verkauf grundsätzlich sinnvoll. Die Karlsruher sind noch nicht einmal im MVV-Aufsichtsrat vertreten. Ein potenzieller Käufer, der nur den EnBW-Anteil übernehmen würde, hätte allerdings auch nicht mehr Einfluss auf die MVV. Doch wie das „Handelsblatt“ weiter berichtet, stehen nicht nur die von der EnBW gehaltenen 15,1 % zum Verkauf. Vielmehr biete die Commerzbank potenziellen Interessenten auch den Anteil von rund 7 % an, der bei der Investmentbank Barclays liegt. Hinzu komme die 6,3-%ige MVV-Beteiligung des französischen Versorgers GdF Suez, die ebenfalls zum Verkauf stehe. Alles in allem könnte ein Käufer sich dem Bericht zufolge also rund 28 % an der MVV und damit eine Sperrminorität in der Hauptversammlung sichern. Das könnte sich positiv auf den Kaufpreis auswirken. Alle drei Pakete zusammen hätten derzeit einen Börsenwert von 450 Millionen Euro.

Als möglicher Übernahmeinteressent für das Gesamtpaket oder Teile davon wird in der Branche die Kölner Rhein Energie gesehen, die bereits mit 16,3 % an der MVV beteiligt ist. Infrage kämen nach Einschätzung von Branchenbeobachtern aber auch benachbarte Versorger, die bereits mit der MVV kooperieren und deren Energiebeschaffung teilweise über den Mannheimer Konzern läuft. „Da könnte eine Beteiligung an der MVV strategisch sinnvoll sein“, meint ein Experte. Vorstellbar sei aber auch ein Einstieg der Thüga, die bereits rund 100 Beteiligungen an kommunalen Versorgern hält. Für ­weniger wahrscheinlich gehalten wird dagegen die Beteiligung eines Finanzinvestors. Die Dividendenrendite der MVV-Aktie liegt beim aktuellen Börsenkurs bei rund 4 %.

Startschuss für ein umfangreiches Verkaufsprogramm?

Ein Verkauf der MVV-Beteiligung könnte der Startschuss für das umfangreiche Verkaufsprogramm sein, das der neue EnBW-Chef Frank Mastiaux bereits im Oktober angekündigt hatte. Jede Beteiligung komme auf den Prüfstand, sagte er kurz nach seinem Amtsantritt. Insgesamt will sich die EnBW von Beteiligungen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro trennen. Das Geld braucht der durch den Atomausstieg in die roten Zahlen gerutschte Konzern, um die hohen Investitionen im Zuge der Energiewende schultern zu können. Bei einem Umsatz von 18,8 Milliarden Euro (plus 7,3 %) machte die EnBW 2011 einen Verlust von 867 Millionen Euro (Vorjahr: knapp 1,2 Milliarden Euro Gewinn).

Als mögliche Verkaufskandidaten gelten auch die 32-%ige Beteiligung am österreichischen Versorger EVN und die Mehrheitsbeteiligung an den Düsseldorfer Stadtwerken. Auch über einen teilweisen Verkauf der EnBW-Netztochter Transnet BW wurde bereits spekuliert. Der frühere EnBW-Chef Hans-Peter Villis hatte einen solchen Schritt nicht ausgeschlossen.

Denkbar wäre auch ein Verkauf der Beteiligung an der Oldenburger EWE, über die EnBW maßgeblichen Einfluss auf den ostdeutschen Erdgashändler VNG gewinnen wollte. Diese Ziel wurde aber nicht erreicht. Die EnBW hält 26 % an der EWE, die wiederum knapp die Hälfte der VNG-Anteile besitzt. Für das EWE-Paket hatte die EnBW rund zwei Milliarden Euro bezahlt. Allein im Jahr 2011 musste sie 370 Millionen Euro auf den Firmenwert abschreiben.

Quelle: stuttgarter-zeitung.de

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