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Sächsischer Umweltpreis für Wasserwirtschaftler der HTWK Leipzig: Modelllösung für Dezentrale Abwasserentsorgung erhielt Sonderpreis

Am 6. Juli wurde in Dresden der mit 50.000 Euro dotierte Sächsische Umweltpreis vergeben, bei dem beispielsweise modellhafte Projekte oder innovative Verfahren zum Vorteil für die Umwelt gefragt waren. In der Kategorie Sonderpreis wurde die Modelllösung Abwasserentsorgung und Nahwärmenetz aus Treptitz bei Oschatz ausgezeichnet.

Das Konzept entwickelte M.Sc. Tilo Sahlbach vom Institut für Wasserbau und Siedlungswasserwirtschaft (IWS) an der HTWK Leipzig. In die Bearbeitung waren auch Studierende im Rahmen von Praktikums- und Diplomarbeiten eingebunden. Die zwei Gruppenkläranlagen für die 140 Einwohner senkten die Anschlusskosten von 6.000 Euro auf 3.000 Euro pro Grundstück. Sie sind Eigentum eines neu gegründeten Vereins. Treptitz wurde mit dieser Lösung zum Modellprojekt für die dezentrale Abwasserentsorgung in Sachsen.

Bis zum Jahr 2015 müssen nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie auch alle Grundstücke in ländlichen Gebieten an eine vollbiologische Kläranlage angeschlossen sein. Sind die Orte nicht an eine zentrale Kläranlage angeschlossen, kommt oftmals eine grundstückseigene vollbiologische Kläranlage in Betracht. In Treptitz ging man einen anderen Weg: Vor dreieinhalb Jahren erstellte das Institut für Wasserbau und Siedlungswasserwirtschaft der HTWK Leipzig eine Studie mit einer Kostenvergleichsrechnung. Die ergab, dass eine Lösung mit zwei Gruppenkläranlagen die kostengünstigste Lösung für die Einwohner darstellt. Als Träger für die Umsetzung gründete man den Verein zum ökologischen Gewässerschutz Treptitz e.V.. Tilo Sahlbach, selbst Einwohner von Treptitz, wurde erster Vorsitzender. Das ist ein Novum in Sachsen und darüber hinaus. Doch es blieb nicht allein beim Abwasser. Zusammen mit dem neuen Abwasserkanal verlegte man gleich noch ein Nahwärmenetz, in das die Biogasanlage des Dorfes ihre überschüssige Wärme einspeist. Die Dorfgemeinschaft spart mit beim Betrieb der Gruppenkläranlagen 50.000 kWh Strom pro Jahr gegenüber sonst nötigen Einzelkläranlagen. Darüber hinaus wird eine gleichmäßige, hohe Reinigungsleistung erreicht, wie sie mit Einzelkläranlagen nicht möglich ist. Die genutzte Abwärme der Biogasanlage spart darüber hinaus pro Jahr etwa 130.000 Liter Heizöl. Insgesamt werden so knapp 400 Tonnen CO2-Emissionen vermieden.

In den vergangenen Jahren stellte Tilo Sahlbach das Projekt auf mehreren Konferenzen vor und erntete viel Lob. "Wir haben gezeigt, wie man Umweltschutzziele erreichen und gleichzeitig Geld sparen kann, wenn das Denken nicht an der Grundstücksgrenze halt macht", so Tilo Sahlbach auf die Frage nach dem Geheimnis des Erfolges. Zukunftsfähige Entwässerungslösungen sind eines der Schwerpunktthemen am Institut für Wasserbau und Siedlungswasserwirtschaft. Das Thema wird nicht nur im berufsbegleitenden Studiengang Change Management in der Wasserwirtschaft aufgegriffen, sondern ist noch in weiteren Forschungsthemen des Instituts verankert. Mit einer Reihe von regionalen Partnern aus Wissenschaft und Praxis, wie der Universität Leipzig, dem Helmholtz Zentrum für Umwelttechnik (UFZ), dem Bildungs- und Demonstrationszentrum für dezentrale Abwasserentsorgung (BDZ Leipzig) und Unternehmen und Ingenieurbüros der Region wird deshalb daran gearbeitet. Wir bündeln Kompetenzen und stärken die Netzwerke auf dem Gebiet zukunftsfähiger Infrastrukturkonzepte, um national und international an einem der globalen Wasserthemen maßgeblich mitzuwirken, so der Leiter des Instituts, Professor Dr.-Ing. Hubertus Milke.

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