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Schwierige Zeiten für die Biogasbranche - Anlagenbau zusammengebrochen

„Schwierige Zeiten“ attestierte der Fachverband Biogas e.V. auf seiner Pressekonferenz am 30. Januar im Rahmen der 22. Biogas-Jahrestagung der Biogasbranche. „Der Anlagenneubau ist nahezu vollständig zusammengebrochen, das Repowering bestehenderAnlagen kann diese Lücke nicht schließen und das Auslandsgeschäft kompensiert nur einen Teil der Umsatzeinbrüche“, resümiert Josef Pellmeyer, Präsident des Fachverbandes Biogas, das Jahr 2012.

Als Gründe für den Einbruch seien unter anderem hohe Substratpreise, die verschlechterten Bedingungen des EEG 2012 und Akzeptanzprobleme zu nennen. Dennoch geht von der weltweit größten reinen Biogasfachmesse, die vom 29. bis 31. Januar in Leipzig stattfand, ein klares Bekenntnis der Biogasbranche zur Umsetzung der Energiewende aus. Mit 446 Ausstellern präsentieren so viele Unternehmen wie nie zuvor ihre technischen Innovationen und Neuheiten.

„Im Stromsektor kann das speicherbare Biogas bedarfsgerecht eingesetzt werden und somit die Schwankungen der fluktuierenden Photovoltaik- und Windkraftanlagen ausgleichen“, betont Pellmeyer die elementare Rolle von Biogas im Rahmen der Energiewende. Aus Biogas werde jedoch nicht nur Strom erzeugt, sondern auch klimaneutrale, regionale und verlässliche Wärme und als erneuerbarer
effizienter Kraftstoff der zweiten Generation stehe Biomethan schon heute zur Verfügung.


Die überraschenden neuerlichen EEG-Vorschläge von Bundesumweltminister Peter Altmaier zu einer so genannten „Strompreissicherung“ trafen bei den Tagungsteilnehmern und Ausstellern auf Unverständnis. „Das Projekt Energiewende ist für Deutschland und die Welt zu wichtig, als dass jetzt aus offensichtlich wahltaktischen Gründen vermeintlich kostensenkende Maßnahmen vorgeschlagen werden, die nur zusätzliche Verunsicherung hervorrufen“, mahnt Pellmeyer. Die Vorschläge würden den gänzlichen Stopp des Neuanlagenzubaus in der gesamten Erneuerbaren Energien Branche und einen Eingriff in
den Bestandsschutz bedeuten. „Der Bundesumweltminister konterkariert damit seine bisher eingeschlagene und begrüßenswerte Vorgehensweise, die EEG-Reform in einem
geordneten Prozess ablaufen zu lassen“, ergänzt der Verbandspräsident.
„Zusätzlich zu der aktuellen EEG-Kostendiskussion fehlt den Biogasunternehmen das klare politische Bekenntnis zum Thema Biogas und damit die Planungssicherheit“, bemängelt der neue Sprecher des Firmenbeirats im Fachverband Biogas e.V., Claus Rückert. So entstehe eine massive Verunsicherung und Zurückhaltung bei potenziellen Investoren. Nachdem in den Jahren 2009 bis 2011 pro Jahr rund 1.000 neue Biogasanlagen ans Netz gegangen sind, ist das Neuanlagengeschäft in 2012 auf unter 300 Anlagen eingebrochen. „Daher ist die Gefahr sehr groß, dass das lange und mühsam aufgebaute Know-how in den Firmen verloren geht und es zu Entlassungen und Insolvenzen kommt“, erläutert Rückert. Die Welt schaut auf Deutschland und seine Energiewende. Nur wenn dieses Projekt erfolgreich fortgesetzt wird, kann Deutschland seine Vorbildfunktion erfüllen.

Der erneute Besucherrekord mit vielen internationalen Gästen auf der weltgrößten Biogastagung und Fachmesse unterstreicht die Bedeutung von Biogas für die Umsetzung der Energiewende im In- und Ausland. „Die Politik muss sich nun entscheiden, ob sie die Energiewende ernst nimmt – bei Strom, Wärme und Kraftstoff. Biogas steht dafür bereit!“, betont Josef Pellmeyer.

Hintergrund: Fachverband Biogas e.V.
Der Fachverband Biogas e.V. ist mit rund 4.700 Mitgliedern Europas größte Interessenvertretung der Biogas-Branche. Er vertritt bundesweit Hersteller, Anlagenbauer und landwirtschaftliche wie industrielle Biogasanlagenbetreiber. Die Biogas-Branche hat über 40.000 Arbeitsplätze zumeist in ländlichen Regionen geschaffen.

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